Jörg W. Gronius
Der Junior

Roman
Ben Witter Preis 2007 an Jörg W. Gronius
148 Seiten
Fadenheftung, fester Einband
€ 19
ISBN: 978-3-931135-86-7
Erschienen: 2005

bestellen bei Kohlibri


Für den Junior stehen die sechziger Jahre im Zeichen der drei großen P: Pubertät, Pop, Politik. Das Stück Malheur beendet seine Kindheit. Das Wirtschaftswunder hat den Umzug in die Neubauwohnung mit Zentralheizung, Balkon und Bad möglich gemacht. Doch das eigene Zimmer gibt es auch jetzt nicht. Denn vor den Menschen kommen die Anschaffungen: Schrankwand und Gummibaum, Eckbank, Flurgarderobe und Fernseher.

Der Junior wird seiner Welt gegenüber provokant und skeptisch. Dabei soll er es doch mal besser haben als die Eltern: »Der Junge geht zur Post, da hat er sein schönes Auskommen.« Ein Stück Malheur war dokumentarisch, traurig und grotesk.

Natürlich auch komisch. So geht es mit dem Junior weiter.
———————
Ben Witter Preis 2007 an Jörg W. Gronius

Hamburg (ots) – Der Vorstand der Ben Witter Stiftung, dem Aloys Behler, Joachim Kersten, Rolf Michaelis und Theo Sommer angehören, vergibt den diesjährigen mit Euro 15.000,- dotierten Ben Witter Preis an den 1952 in Berlin geborenen Schriftsteller Jörg W. Gronius. Die Ben Witter Stiftung zeichnet Jörg W. Gronius für seine Romantrilogie Ein Stück Malheur, Der Junior und Plötzlich ging alles ganz schnell aus. Diese Romane sind in den Jahren 2000, 2005 und 2007 im Weidle Verlag, Bonn, erschienen. Der Autor schildert darin seine Berliner Kindheit, Jugend und Studienzeit witzig, melancholisch und grotesk – es ist ihm damit ein szenenreiches Diorama der 1950er, 60er und 70er Jahre gelungen.

Die Verleihung des 13. Ben Witter Preises an Jörg W. Gronius findet am Mittwoch, 12. Dezember 2007, 20.00 Uhr, im Literaturhaus Hamburg, Schwanenwik 38, 22087 Hamburg, statt. Die Laudatio auf den Autor hält Bettina Clausen, Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Universität Hamburg.

Stifter des Ben Witter Preises ist der am 12.12.1993 verstorbene Hamburger Schriftsteller und ZEIT-Autor Ben Witter, dessen beste Werke von Rolf Michaelis in dem Band “Moment mal! 121 Versuche, den Augenblick zu retten” versammelt sind, erschienen 2007 im Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg.

Diese Pressemitteilung finden Sie auch unter presse.zeit.de.

_______________________________________________________

Leseprobe
Die kleinen Führer

Wir hießen Jörg und Jürgen, Bernd und Hermann, Helmut und Hartmut, Wolfram und Wolfgang, Nordbert und Siegfried. Einer hieß Adolf. Wir haben uns nichts dabei gedacht. Unsere Mütter trugen die Frisuren wie Leni Riefenstahl, unsere Väter kämmten die Haare glatt nach hinten wie Hermann Göring. Uns wurden die Köpfe mit Wellaform gescheitelt, da hätte man das Lineal anlegen können. Hätten wir die Schnurrbärtchen gehabt, wir hätten alle ausgesehen wie die kleinen Führer. An Sonntagen waren die Hemden weiß, und die Bügelfalten mußten sitzen. Auch an den kurzen Hosen. Im Sommer gab es Kniestrümpfe in den Sandalen, die aussahen wie halbe Stullen. Im Winter trugen wir Mützen mit Ohrenklappen und ab zwölf einen Hut. Wir sahen aus wie die Schießbudenfiguren. Unsere Eltern fanden das akkurat. Unsere Eltern wollten, daß wir es einmal besser haben.Führer konnten wir nicht mehr werden. Aber den Führerschein sollten wir machen und mal ein schönes Auskommen haben. War das Demokratie?