Heinrich Hauser
Schwarzes Revier

Reportagen
Mit 127 Photographien des Ruhrgebiets von Heinrich Hauser und einem Nachwort von Andreas Rossmann

Leseprobe
224 Seiten, zahlreiche Abbildungen
17 x 24 cm, Fadenheftung, fester Einband
€ 19,90
ISBN: 978-3-938803-25-7
Erschienen: September 2010
Gefördert von Ruhr.2010 – Gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages
Stiftung Buchkunst prämiert: »eines der schönsten Bücher«

bestellen bei Kohlibri


Im Herbst 1928 erhielt der Journalist, Romancier, Filmemacher und Photograph Heinrich Hauser (1901 – 1955) vom S.Fischer Verlag den Auftrag, »ein Bildmaterial des Ruhrgebiets mit eigenen Aufnahmen zu beschaffen«, wie er im Vorwort zu seinem 1930 erschienenen Buch Schwarzes Revier berichtet. Neben einer Fülle von faszinierenden Aufnahmen einer untergegangenen Epoche der Industrie-Region Ruhrgebiet im Stil des Neuen Sehens der 20er Jahre entstanden eindrucksvolle, präzise Beschreibungen der Landschaft der Industrie und der Lebensbedingungen der Bergleute und Hochofenarbeiter, die in ihrer Dichte und Sprachgewalt heute noch fesseln. Das Buch erscheint anläßlich der Ausstellung von über hundert Schwarz-Weiß-Photographien Heinrich Hausers im Ruhrmuseum Essen, die ab September 2010 im Rahmen von Ruhr2010 zu sehen ist.

»Die Fotos, mit denen Hauser seine Reportage bebilderte, gleichen in Aufbau und Perspektive der gleichzeitigen professionellen Fotografie der Neuen Sachlichkeit. Auf ihnen dominieren Vertikale und Diagonale, Pathosformeln des Dynamischen, Aufstrebenden und Zukunftsweisenden der neuen industriellen Verfahren.«

Herbert Molderings: »Die Moderne der Fotografie« (2008)
Heinrich Hauser war in den 20er Jahren Mitarbeiter der Frankfurter Zeitung. Er schrieb Romane, Reisebücher und

Firmenschriften, übersetzte u.a. Liam O'Flaherty, filmte, fuhr zur See und flog. 1938 emigrierte er in die USA. Auf Initiative Henri Nannens kehrte er 1949 nach Deutschland zurück und wurde für kurze Zeit Chefredakteur des »Stern«. Er starb am 25. März 1955 in Diessen am Ammersee. Im Weidle-Verlag erschien 2001 sein fesselnder Irland-Roman Donner überm Meer.

LESEPROBE:

Im Herbst 1928 bekam der Verfasser den Auftrag, ein Bildmaterial des Ruhrgebiets durch eigene Aufnahmen zu beschaffen. Nebenher entstand eine Reihe von Artikeln.

Mit aller Deutlichkeit muß hier gesagt werden, daß der Verfasser auf allen Gebieten Laie ist. Als Arbeiter im Hüttenwerk, als Seemann auf Erzschiffen, als Journalist und Photograph hat er das Revier kennengelernt. Nichts ist geschrieben worden, was nicht gesehen oder erlebt ist. Diese Aufzeichnungen sind unpolitisch. Der Verfasser betrachtet das als einen Fehler, er muß aber eingestehen, daß seine Ansichten über viele Gegenstände, die er beschrieben hat, nicht feststehen. Vielmehr hat er eben darum beobachtet, beschrieben und photographiert, um sich aus diesem Material Eindrücke, Begriffe, ein Bild vom Gesicht des Reviers zu formen.

Die Unvollständigkeit des Materials, das Tastende der Form wird auf den »ernsthaften Leser« wahrscheinlich abstoßend wirken. Der ernsthafte Leser will den Gegenstand mit deutlichen Umrissen und dicken Strichen in Schwarz-Weiß gezeichnet sehen. Der Verfasser hat sich um Klarheit und Deutlichkeit überall bemüht, er hat aber auch gefunden, daß viele Gegenstände sich nicht scharf umreißen und nicht schwarz-weiß malen lassen. Handelt es sich etwa um die Beschreibung einer großen Fabrik, so mag der technische Aufbau vollkommen deutlich und beschreibbar sein. Die soziale Struktur des gleichen Werkes kann dagegen sehr undurchsichtig, sehr komplex und objektiv kaum darzustellen sein.

So ist geworden, was beabsichtigt war: ein Experiment, ein lockeres Gewebe, das aus Elementen der Reisebeschreibung, des Essays und der Erzählung

geflochten ist. Es will betrachtet sein wie eine Laterna magica aus dem Anfang der Technik: Bilder auf eine Leinwand geworfen, oft unscharf, oft schlecht beleuchtet und schlecht aufgenommen. Der Autor steht daneben, gibt hastige und ziemlich ungeschickte Erklärungen ab und bastelt dabei an den Apparaten, die er selbst gebaut hat. Dann zischen wieder die Kohlestifte der altmodischen Bogenlampe, es rattert das Malteserkreuz, der Film läuft weiter …