Artur Landsberger
Liebe und Bananen. Eine wilde Sache.

Roman

208 Seiten
Fadenheftung, Festeinband
€ 21
ISBN: 978-3-931135-95-9
Erschienen: 6/2006
Herausgeber: Till Barth

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Eine wilde Sache ist dieser Roman aus dem Jahr 1927 wirklich. Es geht um einen Film, der nach einer Vorlage des großen schlesischen Dichters »Dr. h. c. Johann-Wolfgang Gerhart« gedreht werden soll. Der aber verlangt zuviel Geld, also machen sich Schauspieler, Produzent und Regisseur selbst an die Arbeit. Es sind – nur wenig verschlüsselt – Stars der 20er Jahre: Albert Stein-Brück, Curt Dubois, Olga von Tschochenska. Der Film handelt, wenig überraschend, von der Liebe, die aber ans Geschäft mit Bananen geknüpft ist. Diese nämlich sind knapp geworden in Berlin, weil irgend jemand irgendwelche Rechnungen nicht bezahlen kann. Deshalb muß Harry Liefke, Tennis-Champion und Sohn des Bananen-Importeurs Max Sülstorff, nach Sumatra fahren, um die Tochter des Plantagenbesitzers Paul G. Olem zu becircen. Er kommt aber nicht dorthin, weil jene Tochter nach Berlin reist, um wiederum ihn zu becircen, denn sie hat sein Foto in der Zeitung gesehen und sich unsterblich verliebt. Und dann beginnen Verwechslungen, an deren Ende kaum jemand mehr weiß, wer er selbst ist. Als schließlich das gesamte Personal wegen angeblicher politischer Umsturzbestrebungen im Gefängnis landet, schaltet sich der »Weltdetektiv« Jan Ning-Holl ein. Kann er den Fall lösen?
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Wer immer noch nicht glaubt, daß die 20er Jahre wesentlich mehr Sinn für Komik hatten als unsere Epoche, der findet in diesem Buch den unwiderleglichen Beweis.

Artur Landsberger (1876 – 1933) war ein äußerst erfolgreicher Schriftsteller, der auch Filmdrehbücher verfaßte. Im Weidle Verlag erschien 1998 sein Roman Berlin ohne Juden in einer Neuausgabe. Landsberger, der selbst Jude war, nahm sich am 4. Oktober 1933 das Leben. Die näheren Umstände dieses Selbstmords werden im Nachwort von Till Barth zum ersten Mal detailliert dargestellt. Natürlich werden darin auch alle in Liebe und Bananen persiflierten Personen aufgeschlüsselt und kommentiert.
»Es muß daher nicht unbedingt das Produkt der entfesselten Phantasie eines berüchtigten Schriftstellers sein, was auf den folgenden Seiten hier erzählt wird. Möglich, daß es gar nicht erfunden, sondern wahr ist. Vielleicht, daß den Vorgängen, die sich abrollen wie ein Filmband, ein wahres Erlebnis zugrunde liegt, das ein zu Übertreibungen neigender Autor ins Groteske verzerrt. Sicher ist: die Vorgänge könnten wahr sein. darauf allein kommt es an, und allein aus diesem Grunde erhebe ich Anspruch darauf, daß sie mir geglaubt werden.«

Leseprobe

Es lebte lange nach Kaiser Karl einmal ein großer Dichter, Dr. h. c. Johann Wolfgang Gerhart, das Haupt einer schlesischen Familie, der dem deutschen Volke unvergängliche Dichtungen geschenkt, im Alter aber der Metaphysik und dem Snobismus verfallen war. Metaphysik und Snobismus vertragen sich schlecht miteinander. Also geschah es, daß der große Dichter im Klub der deutschen Filmindustrie am 28. August, dem Geburtstage Goethes – was seine metaphysischen und snobistischen Gründe hatte – einen Vortrag über den deutschen Film zu halten gedachte. Goethe hätte das vielleicht auch getan. – Was war näher liegend, als daß man ihm zu ehren eins seiner eigenen Werke verfilmte? Das scheiterte an dem hohen Preise, den der Dichter für das Verfilmungsrecht forderte. Also mußte man etwas Neues schaffen.
»Wenn schon!« sagte der deutschamerikanische Impresario S. Rachitis, der überall, wo er etwas zu verdienen schnupperte, seine schmutzigen Hände im Spiel hatte. Er trommelte, indem er Berge versprach, ein Dutzend der prominentesten Schauspieler in einem teuren Weinlokale am Zoo zusammen und erklärte:
»Der Gerhart ist ein Dichter, der sich hat den Kopf serbrochen für euch dutzende von Malen, damit ihr habt gute Rollen. Serbrecht ihr euch den Kopf für ihn einmal. Ich sahle alles.«
Und da Künstler Kinder sind, so saßen sie da und zerbrachen sich den Kopf, während S. Rachitis sich entfernte und zu zahlen vergaß.
»Gerhart ist Metaphysiker«, erklärte Albert Stein-brück. »Was also liegt näher, als daß wir ihm zu Ehren ein Stück von Aristophanes verfilmen.«
Den Zusammenhang verstand – obschon manch einer wußte, wer Aristophanes war – niemand. Aber den Mut, das zu bekennen, fand nur die schwarze Pola, genannt Djojo, die mit viel Temperament Aristophanes für überlebt erklärte und sich leidenschaftlich für Hanns Heinz Ewers und die Verfilmung der Alraune einsetzte.